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SIS

DIOÉ | 2003 | HAMBURG


Eine Zeit lang wanderte ich nachts durch die Straßen, um Baustellenhölzer zu sammeln und Container nach Dielenbrettern und Sperrmüllholz zu durchwühlen. Die Zeichen des öffentlichen Raums und die rohe, provisorische Ästhetik und Architektur von Baustellen faszinierten mich. In meinen Augen existierte darin bereits die Art von brachialer Skulptur, die ich selbst machen wollte. Der raumgreifende Aspekt großer Skulpturen faszinierte mich und dennoch haderte ich mit der dafür erforderlichen „Materialschlacht“, weshalb die gebrauchten Hölzer mit ihren Oberflächen aus Teppich- und Farbresten, Ochsenblut, Plakatstreifen Betonresten usw. das ideale Material für meine Arbeit darstellten.



Die über Jahre hinweg gesammelten Hölzer habe ich dann wiederum mit Sprayfarbe, Graffiti, Plakaten und Papieren bearbeitet so dass die Skulpturen Träger von Grafiken, zeichnerischen Inhalten und Referenzen wurden, so wie sie es auch im öffentlichen Raum sind. Außerdem interessierte mich bei der Herstellung der Skulpturen der Entstehungsprozess selbst. Die Wände waren schwer und unhandlich, ließen sich aber mit einer Bohrmaschine schnell und unkompliziert zusammenfügen. Die brachiale Arbeit an den Baustellenskulpturen war für mich ein willkommenes Gegengewicht zu allen Stereotypen, die damals häufig mit meiner physischen Erscheinung und meinem Geschlecht in Verbindung gebracht wurden.



Dennoch konnte ich nicht widerstehen, mein Portrait als Graffiti zum Teil der Skulptur zu machen, was Teil der Grenzüberschreitung war, die ich sowohl inhaltlich als auch formal immer wieder anstrebte – so wie die Wand der Skulptur, die sich aufdrängt und die Sicht verstellt, in den Raum eingreift und weder Skulptur noch Malerei ist. Dadurch fiel ich ein weiteres Mal aus dem Kontext der Gruppenausstellung, da DIOÉ eine Zusammenkunft von überwiegend aufstrebenden jungen Malern aus dem Umfeld des „Golden Pudel Club“ war.